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Auto weg, alles weg!

„Annie, are you okay?
So, Annie, are you okay? Are you okay, Annie?
Annie, are you okay?
So, Annie, are you okay? Are you okay, Annie?
Annie, are you okay?
So, Annie, are you okay? Are you okay, Annie?“

Und während ich Michael Jacksons song lausche, dabei meinen Kopf hin und her bewege, meine Füße sich im Takt nach vorne und hinten bewegen und meine Lippen ohne Ton den Text mitsingen, schaue ich wieder und wieder aus dem Fenster des Wohnwagens, um die letzten Sonnenstrahlen dieses Mittwoch Abends einzusaugen.

Gestern Morgen hätte der Text wie folgt ausgesehen:

„Katha, are you okay?
So, Katha, are you okay? Are you okay, Katha?“
….

Und meine Antwort hätte wie folgt gelautet: NEIN ZUR HÖLLE!!!

What happened?

Wir schreiben den 22.2.22, ca. 10 Uhr, irgendwo in Andalusien.

Welch schönes Datum, könnte man meinen.

Nun, ich stehe also vor dem Wohnmobil meiner deutschen Campingnachbarn und schnacke so vor mich hin, als Peter plötzlich mit hoch rotem Kopf und Hund an der Leine vom Joggen um die Ecke biegt und mein Gespräch radikal unterbricht, was er nur im absoluten Notfall tut.

„Katha, wo hast´n du den Vito gestern abgestellt?“
(Zur Erklärung: Unser Bus steht nicht auf dem Campingplatz, sondern ist am Strand geparkt, da die Besitzer des Platzes einen wirklich frechen Betrag für unser Auto berechnen würden)

Meine Antwort, zu diesem Zeitpunkt völlig unaufgeregt und nichts checkend: „Am Strand!“

„Und wo da genau?“, entgegnet er mir bewundernswert gelassen.

„Na, da wo ich ihn immer parke!“

Und dann schaut er mir in die Augen, stoppt seinen Gang und formuliert mit gruselig ruhiger Stimme einen Satz, der augenblicklich einen Schweißausbruch vom feinsten bei mir produziert: „Da steht kein Vito mehr!“

Nun könnte man denken, Peter wäre mit mir gemeinsam zum Strand gelaufen um nochmal genauer nach dem Auto zu schauen, aber nein, der Mann hat sich unverzüglich in Richtung Dusche bewegt und mir „den Fall anvertraut“.

Nun gut, denke ich mir.
Interessant, denkt sich mein Verstand.
Fuck, denkt sich mein Herz.
Scheiß die Wand an, flucht der Verstand nun.
Wehe dem, der unser Zuhause geklaut hat, mault das Herz.

Geh endlich los und schau nach, schnauzt meine innere Stimme!

Gedacht, getan, laufe ich in meinen super- sexy- mega- attraktiven Crocs Richtung Strand und schaue vermutlich, aufgrund meines finsteren Gesichtsausdrucks, aus wie der unsympathischste Mensch auf Erden.

Das Gesicht Richtung Erde verzogen, die Augen starr auf den Parkplatz gerichtet stehe ich da wie ein begossener Pudel und weiß nicht recht, ob mir zum Weinen oder Resignieren zumute ist, denn: Da steht kein Vito!

Kein Auto, kein Zuhause, keine Lagerboxen, die sich im Kofferraum stapeln, keine Kindersitze, einfach NICHTS!

Mein geliebtes, gemütliches Zuhause 💛

Ich atme tief und lasse meinen Blick schweifen. Die Müllabfuhr leert die Tonnen und es scheint beinah so, als stünde ich mit meinem Schmerz mutterseelenallein auf dieser bekackten spanischen Strandstraße, die für alle anderen in diesem Moment möglichweise keine besondere Bedeutung hat.

Und als mein Herz so richtig in meiner Hose verschwindet und sich vor lauter Papierkram, Polizeigedöns und Nervenzusammenbruch auf einen verheulten Tag einstellt, bekommt Miss Universe offenbar Mitleid mit mir und…. lässt unseren Jonny, unseren Vito, hinter dem Müllauto erscheinen, welches sich gerade vom Acker macht.

Ist das wahr?, denke ich und gehe innerlich all die pychischen Diagnosen aus meiner begonnen Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie durch, um mir selbst eine Diagnose auf die Stirn zu klatschen.

Doch im nächsten Moment bin ich mir wieder sicher und behaupte felsenfest, dass ich dieses Auto niemals dort abgestellt habe, wo es gerade parkt!

Und ich bleibe dabei!

Doch, was ist dann bitte passiert?

Wie kann sich ein, an der rechten Fahrbahn vorwärts eingeparktes, wirklich großes Auto, über Nacht VORWÄRTS auf die andere Straßenseite bringen ohne, dass Peter oder ich den Schlüssel verliehen hätten?

Wie zur Hölle soll das gehen?

Die Gedanken rattern und in mir der Wunsch, die skurrile Situation verstehen zu wollen.

Kurzerhand nehme ich mein Handy in die Hand, steige auf den Fahrersitz und wähle mit zitternden Fingern die Nummer der spanischen Polizei, um ungeklärte Fragen für mich lösen zu können.

Doch dann, Fehlanzeige! Der Polizist spricht kein Wort englisch und labert mich auf spanisch zu, mit dem wiederum ich so gar nichts anfangen kann.

Ich lege auf! Was für ein fail, denke ich mir und trete die Rückreise zum Campingplatz an, um in der Rezeption nach Hilfe zu fragen.

Dort angekommen, die bittere Enttäuschung: Auch diese Dame beherrscht die englische Sprache nicht.

Aber hey, ich wäre nicht Katharina, wenn ich nicht kreativ genug wäre, eine Lösung zu finden.

Also mache ich ihr mit Händen und Füßen klar, dass ich einen Stift und Zettel benötige.

Und obwohl ich die weltschlechteste Zeichnerin bin, nehme ich all mein nicht vorhandenes Talent zusammen und male ihr die Situation auf.

Ums abzukürzen:

Fünf Minuten später erreicht mein Hirn den Zustand der 100%- igen Klarheit und mein Herz die Erleichterung des Tages.

Dank deepl.com übersetzen wir uns gegenseitig das Unverstandene und sie übermittelt mir folgendes:

Heute Morgen fanden Straßenmarkierungen statt. Dafür hat die Polizei alle Autos mit einem Kran auf die andere Straßenseite „geparkt“!

Im Ernst jetzt oder was?, sage ich auf englisch und es bedarf keiner weiteren Erklärung, denn mein offener Mund ist Zeichen genug für das in mir tobende Unverständnis und die Wut darüber, dass mein Auto nun möglichweise an weiteren Stellen klappern wird.

Nicht falsch verstehen, ich bin keine typisch deutsche Autofahrerin, die ihren fahrbaren Untersatz wie ihr Baby pflegt und hegt, ABER dieses Auto ist quasi mein Zuhause.

Dieses Auto ist mehr als eine Notwendigkeit!

Dieser blaue Bus, den ich vom ersten Moment so unglaublich bequem fand, gehört in mein Leben wie Fridolin es ebenso tut. Ja, Bus und Wohnwagen, darauf sind wir verdammt nochmal total angewiesen!

Und als ich den kleinen aber feinen Schock verkraftet habe, entfleucht mir ein zartes Grinsen gefolgt von einem Kopfschütteln und einem Satz, der mich wohl ein Leben lang an dieses Land erinnern wird:

Herzlich Willkommen in Spanien, Familie Nawka!

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