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Teil 1 - Die Entscheidung

Der unermüdliche Wille einer jungen Mutter

Zum ersten Mal nach Jahren fühle ich eine Befreiung. Nichts könnte mich glücklicher machen als die Vorstellung eines Abenteuers...

Und wieder einmal findet er mich heulend auf dem orangen Sofa, als er nach neun Stunden Erwerbsarbeit endlich nachhause kommt.

Mein Körper liegt zusammengeknautscht auf der blauen Kuscheldecke und die großen Kullertränen rinnen unentwegt meine Wangen hinunter.
Sofort begreift er, was mit mir los ist.

Wie laut kann ein Herz schreien?

Ich spüre seine große Hand auf meinen Haaren, die beinahe meinen halben Kopf bedeckt. Er ist da, stellt die richtigen Fragen im richtigen Moment. Nimmt mich ernst mit meinem “Gespinne”.

“ICH HALT DAS NICHT MEHR AUS!” schluchze ich. “Dieser Alltag macht mich fertig. Die Kinder streiten nur und das Baby in meinem Bauch schüttelt meine Hormone durch wie einen Cocktail. Wir müssen was verändern!” verkünde ich geradewegs aus meinem Herzen heraus..

“Aber WIE denn?” fragt er mich, wie jedes Mal wenn ich auf der Couch liege und meine Stimmung sich zwischen purer Verzweiflung und dem Sehnen meiner Träume befindet.

“Wir müssen es einfach wagen! Lass uns ein Wohnmobil kaufen, alles verscherbeln, was da nicht rein passt, die Kinder einpacken und einfach losfahren. Wir können doch auf Bauernhöfen mitarbeiten. Oder wir klingeln einfach irgendwo und fragen nach einem Tausch von Arbeit gegen Kost und Logie”, eröffne ich ihm, als ich geradewegs in seine Augen sehe und mir das blanke Entsetzen entgegen strömt.

“Katha, ich verstehe ja deinen Wunsch nach einem anderen Leben, aber so einfach ist das nicht! Wir haben bald drei Kinder. Wir tragen Verantwortung und wir haben absolut keine Ahnung, wie wir dann an Geld kommen könnten!”

“Ach, ist mir Scheiß egal, ich will einfach weg!” entgegne ich resigniert.

Vor meinem inneren Auge sehe ich meinen Traum Wirklichkeit werden

Die Monate vergehen. Unsere Tage sind geprägt von Windeln wechseln, Wäsche waschen, Essen kochen, lachen, tanzen.. und dem mehr oder weniger erfolgreichen Unterdrücken meines Herzens.

Er kümmert sich ums Finanzielle, kommt oft abends erst nachhause, arbeitet an den Wochenenden und zerreißt sich zwischen Arbeit und Familie.

Die schöne Altbauwohnung in der Großstadt bietet nach der Hausgeburt unserer Tochter immer noch genügend Platz für drei Kinder und strahlt durch ihren geölten Holzfußboden und die alten Doppelfenster einen gewissen Charme aus, der mich jedes Mal aufs Neue fasziniert.

Von außen betrachtet leben wir ein gutes Leben. Normal eben. Getreu dem, was – ja wer denn eigentlich?- von uns erwartet.

Wir haben ausreichend, wenn auch nicht viel, Geld, welches trotz 40 Stunden Job durch das Arbeitsamt aufgefüllt werden muss, drei quicklebendige Kinder, ein warmes Zuhause mit einem großen Gemeinschaftsgarten und letztlich UNS!

Doch in mir brodelt es wie in einem Vulkan. Kochende Lava sucht sich ihren Weg an die Oberfläche um mit einem Mal zu explodieren. Mein Leben schreit nach Veränderung, Radikalität und verdammt viel Mut! Ich will ausbrechen, alles hinter mich lassen und meine eingeengten Flügel spannen, um in die Welt meiner Träume abzuheben.

ICH HAB VERDAMMT NOCHMAL KEINEN BOCK MEHR AUF DIESEN ALLTAG!

Sagte doch meine Familie schon als ich klein war zu mir „Katharina, in dir lebt eine Nomadenseele“, so sollte sie Recht behalten..

Während ich noch träume, offenbart er mir seine Entscheidung

Wir beide stehen am Fluss auf einem Plateau. Er und ich.

Wohin der Weg uns führt…

Um uns herum springen zwei wilde Jungs, unsere neugeborene Tochter schläft friedlich im Tragetuch und entspannt sich zum Rhythmus meines Herzens.

Ich spüre die Hand meines Mannes und wage mich auszusprechen was mich unfassbar viel Überwindung kostet: “ Du, ich habe etwas beschlossen”, zögere ich. Meine Zunge wird schon vom Gedanken an das Kommende trocken. Am liebsten würde ich mich in Luft auflösen. Doch ich bleibe standhaft: “Ich kann so nicht mehr leben. Ich liebe dich, unsere Kinder und dass wir die gleiche Vision vom Leben haben, aber es ist Zeit zu handeln. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!”

“Ich weiß”, unterbricht er meinen Gedankengang. “Wir müssen es tun. Du hast Recht! Lass´ uns ins kalte Wasser springen”

Meine grünen Augen werden von Sekunde zu Sekunde größer und meine Mundwinkel bewegen sich allmählich Richtung Ohren. Sein Blick verrät mir, dass das Ausgesprochene kein Scherz war – er meint es verdammt ernst!

“Was, ehrlich? Wir meinen doch das selbe oder??”

“Ja! Lass uns ein Wohnmobil kaufen und losfahren. Egal wohin. Du suchst die Route aus. Ich bin zu jeder Schandtat bereit”, sagt er, als seine Augen mir einen Mix aus Vorfreude und tiefer Sorge erzählen.

Ich weiß wie schwer es für ihn sein muss, diese Worte ausgesprochen zu haben, aber in mir macht sich eine Vorfreude breit, die überhaupt keinen Platz für Zweifel lässt.

In meinem Kopf kreisen die Gedanken nur noch um Freiheit, Sonnenuntergänge und highways.

Und obwohl ich genauso wenig Ahnung davon habe, wie wir dieses Abenteuer finanzieren sollen, gibt es einen Anteil in mir der so stark ins Leben vertraut und mir die Sicherheit schenkt, dass sich alles zu unserem Besten fügen wird (was auch immer das BESTE ist, sollten wir erst Monate später nach vielen Hürden erkennen).

Auf dem Weg nachhause kann ich gar nicht mehr aufhören ihm von meinen tollen Plänen zu erzählen und vor Glückseligkeit nur so zu strotzen. Und obwohl er die Zweifel trägt, die in meinem Universum keinen Platz finden, lächeln und lachen wir gemeinsam.

Monate später sollten wir mit diesem hübschen Ort Bekanntschaft machen

Zum ersten Mal nach Jahren fühle ich eine Befreiung. Nichts könnte mich glücklicher machen als die Vorstellung eines Abenteuers auf vier Rädern!

Zuhause angekommen übergebe ich die drei Mäuse an meinen Liebsten und tue etwas, was sich bis zum heutigen Tag durch mein Leben zieht: Ich drehe meine Musik auf, schließe die Augen und lasse jede einzelne Zelle meines Körpers im Rhythmus explodieren.

Meine Lippen können nicht anders als sich durch mein schönstes Lächeln für diesen Nachmittag zu bedanken (bei wem oder was auch immer) und mein Körper setzt durch die laute Musik so viel Energie frei wie seit Monaten nicht mehr. Es tut so verdammt gut Entscheidungen zu treffen!

Teil 2 coming soon…

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