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Eine schwierige Entscheidung – wir sitzen auf gepackten Koffern!

Das graue Sofa bietet mir einen warmen Untergrund, während ich verträumt auf die vor mir liegenden Bücherkisten schaue.

Das war´s also jetzt?, denke ich und nehme die verschnörkelten Buchstaben des oben aufliegenden Harry Potter Buches wahr.
So eine Scheiße!, sagt meine innere Stimme lautlos.

Ich fühle mich erschöpft und traurig. Vor zwei Tagen habe ich tatsächlich den Buchungsknopf der Fähre gedrückt und damit eine Entscheidung gefällt, die SO überhaupt nicht geplant war.
Sieben Monate leben wir schon in Irland – oder sollte ich besser sagen „erst“? Weder Peter noch ich haben mit dieser Hals über Kopf Entscheidung gerechnet, die uns sowohl wirtschaftlich, emotional als auch physisch einiges abverlangt.

Als wir unseren drei Kindern gestern erzählten, dass wir bald komplett zurück nach Deutschland gehen, hätte ihre Freude kaum größer sein können. Die lachenden Gesichter und ihr Eifer, all ihre Klamotten in Tüten und Kisten zu verstauen tröstet mich wenigstens ein bisschen darüber hinweg, dass ein lang gehegter Traum wie eine zarte Seifenblase direkt vor meinen Augen zerplatzt und irreversibel verschwindet.

ABER WARUM DAS GANZE???

Seit Oktober sind die Tage härter und härter geworden. Wo ich zu Beginn des harten Lockdowns noch allerhand Ideen und Muße hatte, was wir mit der Zeit anstellen können, befinde ich mich fast fünf Monate später in einem Zustand des Durchhaltens, der mir mehr Tränen abverlangt hat als das gesamte letzte Jahr.

Waren es nicht gerade die Kinder, die mein emotionales Halten mehr denn je brauchten, so befand ich mich selbst oft genug in einem Raum der tausend Fragezeichen, ohne eine Antwort finden zu können.
Wann hat dieser Wahnsinn ein Ende?
Können unsere Freunde uns besuchen?
Wann kann ich den Kindern endlich versprechen, dass sie ihre Liebsten wiedersehen können?
Welche Pflichten wird es zum Reisen geben und wie gehen wir damit um?
Aber vor allem: Wie schaffe ich es, den Kindern ein stabiles Netzwerk zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen und Freunde (für´s Leben) finden können?

Die inneren Bewegungen legten sich von Zeit zu Zeit auf meinen Körper nieder. Ich hatte gesundheitliche Herausforderungen (nö, kein Corona!) zu meistern, durch die meine Seele Ausdruck fand und meine Leidenschaft des abendlichen „Küchen -Aufräum – Tanzens“ half mir hier und da über die Perspektivlosigkeit hinweg.
Und auch das sensibelste meiner Kinder klagte jeden Abend vor lauter Heimweh über wechselnde Wehwehchen wie Bauchweh, Beinschmerzen oder einen Kloß im Hals. Das nächste weinte herzzerreißende Tränen und fand sich in vollkommener Lustlosigkeit wider.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir hatten diesen verdammt guten, großartigen, wunderschönen Traum vom Leben auf einer der schönsten Inseln, die ich jemals besuchen durfte… und das beschissene Weltherrscher Virus C hat alles kaputt gemacht!

Ja, das darf ich so klar sagen, denn, auch wenn ich weiß wie richtig diese Entscheidung für meine Kinder ist, macht es mich dennoch wütend und traurig. Ich könnte schreien und heulen zugleich.

Wir durften für uns herausfinden, dass man an den schönsten Orten der Erde unglaublich einsam sein kann und dass die Menschen mehr zählen als ein großer Garten mit einem atemberaubenden Blick!

Begleitet von Ideen und Möglichkeiten, werden wir unsere Quarantäne absitzen und all unsere Liebsten, die wir so sehr vermisst haben, vor lauter Freude zerdrücken, abknutschen und nie wieder loslassen. Wir werden all die Gespräche nachholen, die uns verwehrt wurden oder nur über Zoom stattfinden konnten, gemeinsam in der Sonne braten und den Kindern beim Planschen zusehen. Wir werden den Reichtum eines sozialen Netzwerkes tausend Mal intensiver schätzen als je zuvor und wenn wir ganz viel Glück haben, dann werden wir

all die Tränen der Trauer in unaufhaltbare Freudentränen umwandeln! 

 

PS: Selbstverständlich bleibt dieser Blog mein öffentliches Tagebuch. Freu dich auf unsere Reise ins Ungewisse und unserem steten Begleiter: Dem Vertrauen!

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