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Warum wir mehr Emotionen in unserem Leben brauchen!

Mit einer wahnsinnigen Entschlossenheit haut er auf die Tasten der Klaviatur, bewegt seinen ganzen Körper im Takt seiner eigenen Stimme und singt voller Inbrunst den Text des Country songs, dessen Name ihm unbekannt ist.

Das Publikum gröhlt, schreit, applaudiert, tanzt, lacht… ach was, STRAHLT!

Der gesamte Raum pumpt sich prompt mit 181648158 Glückshormonen auf, die sich unter all den Menschen schlagartig miteinander mischen und Fremde zu Gleichgesinnten werden lassen.

Der Lichttechniker hat seinen Job verstanden. An gegebener Stelle blitzen grüne Strahlen auf, alles wird rot oder warm-weiße Scheinwerfer drehen sich um ihre eigene Achse.

Die Stimmung ist heiß! Der Saal schwitzt! Die Emotionen kommen zum Vorschein- beim Einen schneller, beim Anderen langsamer. Erwachsene beginnen zu weinen- vor Glück!

Fremde umarmen sich, schaukeln ihre Körper hin und her und rufen Arm in Arm nach einer ZUGABE, ZUGABE…!

Der nächste Morgen ist angebrochen. Kai- Uwes Wecker klingelt. Wie jeden Morgen um Punkt 6 Uhr.

„Oah ne!“ stöhnt der 3-fache Familienvater und dreht sich um 180 Grad auf die andere Seite um zu checken, ob dieses lästige Weckerklingeln vielleicht doch nur ein Alptraum ist.

10 Minuten später- dieses verdammte Ding will einfach keine Ruhe geben. Und Kai- Uwe nicht aufstehen!

„F*ck“, denkt er sich, als sein Oberkörper endlich in die Senkrechte findet. WARUUUUUM? schreit sein Hirn, welches immer noch am gestrigen Abend klebt. Der Abend war einfach zu schön! Der einzige freie Abend in 5 Jahren..

Und während Kai- Uwe seine morgendliche Kaffeekapsel in die Maschine schmeißt und seinen Schlafanzug gegen die Berufskleidung wechselt, kämpft sein Schweinehund wiederholt mit dem Gedanken, einfach zu kündigen.

Keine Böcke mehr auf Chef sein, künstlich grinsende Kollegen und diese ganzen sinnfreien Tätigkeiten, die ihm 12 wertvolle Stunden seines Tages rauben.

Der Kaffee ist heiß und dampft. Kai- Uwe schlürft die schwarze Brühe zügig wie jeden Morgen, um rechtzeitig im Büro zu erscheinen.

Den Kindern konnte er heute Morgen schon wieder nicht mit einem Guten Morgen Kuss wecken. Wie so oft. Die Arbeit ruft eben. Verantwortung tragen ist wichtig. Das Haus will abbezahlt werden. Der Kühlschrank macht sich nicht von alleine voll.

Die Bürotür öffnet sich und der Blick des Mittvierzigers wandert kurz und entschlossen durch seine Büroetage. Er kennt seine Pappenheimer, seine Faulenzer im Team, diejenigen, die es mit der Uhr nicht ganz so genau nehmen.

Ja, bei ihm herrscht Zucht und Ordnung. Pünktlichkeit wird groß geschrieben und krank sein gilt als Schwäche.

Und als Kai- Uwe seine exakt 85 Schritte vom Lift zu seinem Büro läuft, wird ihm plötzlich klar, dass sein Alltag und seine Art der Führung das krasse Kontrastprogramm zum gestrigen Programm darstellen.

Ja verdammt, wo ist denn diese unendliche Freude in meinem Team?

Wo zur Hölle ist meine eigene Leichtigkeit, die ich offensichtlich am Eingang des Bürokomplexes abgebe?

Scheiße, was treibe ich hier eigentlich? Warum foltere ich nicht nur mich Tag für Tag, sondern auch meine gesamte Belegschaft?

Das frühe Aufstehen, kaum Urlaub, keine Zeit für Frau und Kinder… aber angemessenes Schmerzensgeld aus der Chefetage!?

Wäre da nicht diese heftige Stimme in ihm, die regelmäßig gegen seinen gesamten Lebensentwurf zu rebellieren beginnt. Diese Stimme aus dem Off, die ihn vor dem ersten Herzinfarkt warnt, vor viel zu viel Ernsthaftigkeit, vor der tickenden Uhr die seine Lebenszeit sekündlich verkürzt, all die vergessenen Freundschaften, die er höchstens am Wochenende zum Grillen sieht.

Wäre da nicht dieser Drang in Kai- Uwe, der ihn in ein anderes Leben zieht, würde ihm diese beschissene Angst nicht ständig im Nacken sitzen, sein Gesicht zu verlieren, kein echter Mann zu sein, seinen Pflichten nicht nach zu kommen.

Welchen Pflichten denn eigentlich?

JA, VERRATE DU MIR DOCH MAL BITTE WELCHE PFLICHTEN?, platzt es plötzlich mitten auf dem Gang aus ihm heraus.

Verdammte Scheiße, ICH WILL NICHT MEHR!

Und bevor sein Verstand auch nur einen Hauch einer Chance hat sein Maul aufzureißen, schmeißt Kai- Uwe seinen Aktenkoffer gegen die Glastüre seiner Bürotüre, die augenblicklich in dreitausend Teile zerspringt, wirft sich auf die Knie und beginnt zu schreien:

Was ist eigentlich der Sinn meines Lebens?
Soll ich mich noch jahrzehntelang abrackern nur weil ich dann die Chance auf den nächsten scheiß Porsche habe?
Soll ich meine Kinder in 20 Jahren fragen, wie die Namen ihrer Freunde waren, weil ich Gott verdammt nie zuhause war?
Und was ist mit meiner geliebten Frau, die wahrscheinlich seit Jahren auf meine Liebe wartet, die meine Kinder und den Rest unseres Lebens managet, ohne dafür auch nur ein Danke zu verlangen?

Weil mein Leben nirgendwo stattfand als hier, in diesem scheiß grauen Kasten, der sich Büro nennt?

Dicke fette Tränen zieren nun seine Wangen und seine speckigen Finger versuchen das Gesicht zu bedecken, denn Scham macht sich breit.

Ja, Scham vor ihm selbst. Scham vor seinen Mitarbeitern. Scham vor seiner Familie.

Mitte 40, Führungskraft, Einfamilienhaus inklusive gepflegtem Rasen, 2 Wochen Urlaub auf Mallorca im Jahr und niemals im Kopf frei von seinem Job.

Er hat die Schnauze voll! Er will ausbrechen! Er will wegrennen und nie wieder kommen!

Ja, Kai- Uwe hat den Mut. Heute. Jetzt sofort.

Und noch ehe sein Team sich fragt, wie mit dieser Situation umzugehen ist, erhebt er sich, wischt seine Wangen trocken, stellt sich aufrecht inmitten des Flures auf und spricht die Worte, die ihm seit Jahren keine Ruhe mehr lassen:

Ich kündige! Fristlos! Komme was wolle. ich will meine Freiheit zurück und dafür bin ich bereit, ALLES hinter mir zu lassen. Danke an jeden Einzelnen von Ihnen, für Ihre Mühen, Ihre Arbeit und Ihre Zeit.

Und dann dreht er sich um und der schwere Körper des 1,80m großen Mannes bewegt sich festen Schrittes Richtung Fahrstuhl, um die Taste zum Erdgeschoss zu bedienen.

Unten angekommen beginnt Kai- Uwe zu rennen, schneller und schneller, rote Ampeln ignorierend, die Krawatte vom Leib gerissen, rennt er soweit sein Atem ihn bringt.

Da steht er nun, spürt sich nach Jahren wieder. Die Situation skurril findend kann er nicht anders als seinem Lachflash nachzugeben. Ohne Rücksicht auf Verluste beginnt der Bauch zu wackeln, als Kai-Uwe so laut beginnt zu lachen, dass Passanten glauben er wäre irre.

Er spürt den Befreiungsschlag, seine Unvernunft, genießt den Moment in dem alles scheiß egal ist, die Blicke der verwirrten Passanten, den Regen der beginnt in Strömen vom Himmel zu prasseln.

Und ehe Kai-Uwe sich versehen kann, sind seine Arme gen Himmel gestreckt, sein Mund zum Regen schnappen weit geöffnet, seine Mundwinkel nach oben gezogen und seine Kleidung klitschenass.

So steht er da. Kai-Uwe der Unternehmer. Der Familienvater. Der Perfektionist. Der Unermüdliche. Der Burnout Gefährdete. Der Zielstrebige.

Sein Anblick völlig entblößt, sein Inneres vollständig unberührt vom Rest der Welt.

Er atmet, spürt seinen schnellen Herzschlag. Und die Zeit steht still.

*Tausche Kai-Uwe durch Bettina, Roswitha, Luise, Bernd, Alexander oder Guido- einfach durch jeden Menschen, der sich gefangen fühlt, dem im Moment noch die Kraft fehlt um auszubrechen.

…und vergiss nie: Wir bauen uns das „Gefängnis Leben“ ganz alleine. Weil wir glauben beweisen zu müssen und weil wir irgendwann auf diesem Weg vergessen haben, dass wir als freie Vögel einen großen Mehrwert schaffen können, ohne uns zu versklaven.

Wie frei bist du schon im innen& außen?

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