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Wir machen keinen Urlaub, man!

Wenn mir auch nur noch eine einzige Person sagt, dass wir Urlaub machen, dann kriege ich einen Schreikrampf!

Weil: Nein, das was wir machen hat nicht viel mit Urlaub zu tun. Das, was wir hier fabrizieren, nennt sich nicht geringer als DAS LEBEN!

Wir LEBEN in dem 7,5m langen, 26 Jahre alten Wohnwagen namens Fridolin.

Wir LEBEN auf den heißen Straßen Spaniens, schlafen auf Parkplätzen, irren umher, nehmen zum zehnten Mal die falsche Ausfahrt im verdammten Kreisverkehr, verstehen kein einziges Wort wenn wir Spanier auf englisch nach dem Weg fragen und eine spanische Antwort bekommen.

Wir LEBEN zu fünft, mit Hund zu sechst, auf engem Raum, sind super strukturiert und haben tatsächlich einen Alltag.

Und da bin ich auch schon beim Stichwort: Alltag!

Unsere Kinder gehen abends, jeden Tag um die selbe Uhrzeit nach dem Vorlesen, in die Kiste, denn wir Eltern tun alles dafür, um nach einem regulären Arbeitstag wenigstens noch ein wenig Ruhe in unserer schönen Rundsitzgruppe zu genießen.

Mein Lieblingsbauteil im Fridolin ist definitiv die Schiebetüre, die mir einen Hauch von Privatsphäre verleiht, für die ich jeden Tag aufs Neue zutiefst dankbar bin.

Wir haben kein festes Ziel, weil wir da sein können, wo wir Bock drauf haben.

Unser Atlas kennt keine Markierung, weil unser Herz entscheidet, wo wir länger stehen wollen.

Wir sind verpeilt, genervt, geschafft und angestrengt, weil wir ein Leben führen, welches unfassbar viel Flexibilität erfordert und manchmal eine Herausforderung an sich ist.

Nein, wir machen keinen Urlaub, uns scheint auch verdammt nochmal nicht den ganzen Tag die Sonne aus dem Arsch! Manchmal nicht mal einen halben…

Unsere Kinder gehen nicht zur Schule und das bedeutet 24/7 Verantwortung für uns Eltern. Und glaube mir, manchmal bete ich mir eine Einrichtung herbei, die mir wenigstens für einige Stunden diese liebenswürdigen Wesen abnehmen, die manchmal pro Person zwanzig verschiedene Bedürfnisse auf einmal äußern, die ich unmöglich befriedigen kann!

Ach, und was ist eigentlich mit mir?

Wäre ich keine geborene Nomadenseele, und das ist kein Scherz, würde ich so manche Sackgasse, in die wir unser 13,5m langes Gespann manövriert haben, wohl mit weniger Leichtigkeit nehmen.

Und gäbe es nicht diesen riesigen Durst nach Abenteuern in meiner Brust, würde ich auf manchen Parkplätzen selbst mit Mühe und Not vor Angst kein Äuglein zu kriegen.

Ganz zu schweigen von meinem Zuhause im Herzen, fühle ich mich quasi überall auf Anhieb wohl, sofern ich meine Grundwerte leben kann.

Mein Bedürfnis nach Freiheit lässt mich auch Tage wie heute mit einem lächelnden Auge überstehen.

Tage, an denen ich mir bereits morgens nichts sehnlicher als den Abend wünsche.

Solche Tage, die mir gefühlt ALLES abverlangen, was ich an menschlicher Energie in mir trage.

Momente, die meinen Atmen gefrieren lassen, mein Herz zum Aussetzen bringen und den menschlichen Fluchtinstinkt zum Sprinten.

Doch dann sitze ich da und flüstere mir leise mein Mantra: Es gibt für alles eine Lösung! Es geht vorbei!

In diesem Sinne: Ich genieße dann mal den Abend mit drei Kindern, die vor der Glotze hängen, einem gekühlten irischen Cider (Ironie des Schicksals?) vor meiner Nase, duftenden Spaghetti auf dem Teller, krass müden Augen in meinem Gesicht und einem Mann, auf den in Momenten der Verzweiflung zu 100% Verlass ist!

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